Graffiti-Beseitigung so teuer wie nie

Graffiti-Beseitigung so teuer wie nie

Graffiti Künstler Jan-David Ducks bemalt die  Gasdruckanlage an der Talstrasse im Auftrag der EnBW

Foto: Laux

Stuttgart - Die Kosten für die Beseitigung von Farbschmierereien an Fassaden städtischer Bauten steigen in der Landeshauptstadt rapide. Im vergangenen Jahr gab die Stadtverwaltung mit 248000 Euro knapp 100.000 Euro mehr für die Entfernung von Graffiti aus als noch 2007.

Sobald die Nächte wärmer werden, nehmen die Farbschmierereien an Hausfassaden, Brückenpfeilern, Bahnanlagen und Zügen zu. Im vergangenen Jahr gingen bei der Polizei exakt 2689 Anzeigen wegen Sachbeschädigung durch Farbsprüherei ein. Insgesamt angezeigt wurden 8569 Sachbeschädigungen. Damit liegt der Anteil der Graffiti bei immerhin rund 30 Prozent.

Die Aufklärungsquote ist mit knapp acht Prozent dagegen miserabel: Nur 217 Sprayer konnten gefasst werden. Zum Vergleich: Die Aufklärungsquote bei Sachbeschädigungen liegt bei 14,4 Prozent. Es wurden 1234 Fälle aufgeklärt. Der Grund dafür, dass die Polizei nur selten die Urheber der Farbschmierereien ermitteln kann: “Die Sprüher kommen nachts, keiner sieht sie. Die Anzeige geht frühestens am nächsten Tag bei uns ein. Doch dann sind die Täter über alle Berge”, sagt Polizeisprecher Jens Lauer.

Von 2004, als die Polizei 965 Anzeigen wegen Farbschmierereien verzeichnete, bis 2008 sind die Anzeigen kontinuierlich gestiegen. 2008 wurden 3525 Farbschmierereien angezeigt. Erstmals wieder rückläufig waren die Anzeigen vergangenes Jahr. Das muss jedoch nicht heißen, dass die Graffiti weniger geworden sind. “Die Dunkelziffer in dem Bereich ist hoch. Viele Privatleute gehen nicht zur Polizei, weil es nichts bringt. Auf dem Schaden bleiben sie in der Regel sitzen, die Versicherungen kommen dafür nicht auf”, sagt Ulrich Wecker, Geschäftsführer von Haus und Grund Stuttgart.

Dass ein Weniger an Anzeigen nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass die Farbschmierereien zurückgehen, bestätigt die Stadt. Laut Werner Pfisterer vom Tiefbauamt hat die Stadt im vergangenen Jahr bei rund 2500 Einsätzen 248.000 Euro für die Beseitigung von Schmierereien auf den Fassaden städtischer Gebäude ausgegeben - so viel wie noch in keinem Jahr zuvor.


2005 und 2006 hat die Stadt jeweils um die 130.000 Euro für die Entfernung der unerwünschten Schmierereien bezahlt. 2008, in dem Jahr mit den meisten Anzeigen, schlug die Reinigung der Fassaden mit 215.000 Euro zu Buche. Im laufenden Jahr bleiben vermutlich mehr Werke als in den Vorjahren an den Fassaden. Auf Grund der Sparmaßnahmen stehen nur rund 150.000 Euro für die Entfernung zur Verfügung.Die Bahn AG in Stuttgart und die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), deren Bahnen auch immer wieder zur Zielscheibe von Sprayer-Attacken werden, beziffern ihren Schaden durch Sachbeschädigung auf jeweils eine Million Euro. Den Unternehmen geht es wie der Stadt um eine möglichst schnelle Schadensbeseitigung, damit sich keine Nachahmer finden.

Eine Zunahme an Farbschmierereien verzeichnen derzeit weder die Bahn AG noch die SSB. Auch die Städte und Gemeinden in der Region stellen keine eklatante Zunahme an Farbschmierereien fest. “Mit Sorge” beobachtet allerdings Ralf Lauschke, Chef des städtischen Baubetriebs in Esslingen, dass es mehr “antisemitischen Schmierereien” und “Naziparolen” gibt. Die Kosten für die Reinigung im vergangenen Jahr beziffert er mit 21.000 Euro. In den Jahren davor lagen die Kosten bei etwa 18.000 Euro.

Sprühern, die geschnappt werden, drohen bis zu zwei Jahre Haft oder Arbeitsstunden. Innerhalb des Anti-Graffiti-Projekts, das 2006 unter anderem von der Stadt Stuttgart, der Polizei und Haus und Grund Stuttgart ins Leben gerufen wurde, müssen sie unter Umständen ihre eigenen Werke entfernen. “Die meisten Täter sind dann reumütig. Aber es gibt auch ein paar Unverbesserliche”, stellt Carsten Hünseler fest. Der Malermeister ist zuständig für das Projekt bei der Gemeinnützigen Gesellschaft für Schulung und berufliche Reintegration (SBR). Die SBR ist Träger des Projekts.

Quelle Stuttgarter Nachrichten

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